Global denken. Lokal amüsieren.

2016 – auch ein Jahr der Jubiläen: 25 Jahre Radio Bielefeld, 40 Jahre Biene Maja, 70 Jahre Udo Lindenberg, 125 Jahre Dr. Oetker, 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot. Und 500 Jahre Reformation. Es kann kein Zufall sein, dass gerade diese beiden zuletzt genannten Ereignisse so dicht beieinander liegen. Alkohol und Theologie. Ein Schelm, wer dabei an Margot Käßmann denkt. Lassen Sie uns bei der Reformation nicht nur an Frau Käßmann, sondern auch an Bielefeld denken. Immer wird die gesamte Geschichte mit Wittenberg assoziiert. Bielefeld hat dazu mehr beigetragen als uns bewusst ist. Lutter. Theesen. Das sind noch keine Beweise, aber Indizien. Das wurmt unsere katholischen Nachbarn in Paderborn. Da wird aus dem Luther-Jahr sehr schnell ein Luther-Nein. Und wenn das mit dem Ausverkauf und der kommerziellen Verwertung der durchaus streitbaren Figur Luther so weiter geht, dann wird auch bei mir sehr schnell ein Nein daraus. Liebe Gemeinde, wir sprechen uns wieder am 31. Oktober 2017. Am Ende des Jahresrueckblick 2016 Theater BielefeldReformationsjahres. Sie werden spätestens dann Luther nicht mehr sehen können, von Luther nichts mehr hören wollen. Schon jetzt ist klar, hinter all dem Hype, hinter all dem Merchandising steht die katholische Kirche. Wir Protestanten werden den Protestantismus so satt haben, dass wir freiwillig konvertieren werden. Es ist schon jetzt kaum auszuhalten. Meterweise neue Lutherbücher. Sogar Kochbücher. Ich will sowas nicht. Ich will auch keine Luther-Tassen, Luther-T-Shirts, Luthernudeln. Und erst recht keinen Lutherkuchen. Was denn noch? Luther-Glücks-Kekse in der praktischen 95er Packung, in jedem Keks eine These? Wittenburger bei Mc Donald’s? Luther als Nippesfigur für die Hutablage im Auto? Der Reformator als Wackeldackel? Es dauert nicht mehr lange und Luther wird Werbeträger für Viagra. Slogan: Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Noch ein weiteres sinnentleertes, überflüssiges, absurdes Luther-Produkt und ich falle als Protestant komplett vom Glauben ab. Und dann, verehrtes Publikum, halte ich es mit dem Schriftsteller Julian Barnes. Der meinte: »Ich glaube nicht an Gott. Aber ich vermisse ihn.«

von Ingo Börchers

Tipp: Mehr zum Jahr 2016 erlebt Ihr im Jahresrückblick mit Ingo Börchers, der am 09.12. Premiere feiert.

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