Oper meets Rap – die Mische macht’s

von Ann-Cathrin Obermeier

»HipHop meets Classic« – dröhnt es mir morgens aus dem Radiowecker in die Ohren: Der Rapper Motrip macht gemeinsam mit einem Symphonieorchester Musik. »Ey! Das können wir auch!«, denke ich dann.

Ich bin Aco MC. Und ich bin dabei, wenn es heißt Oper meets Rap im Stadttheater Bielefeld. Wir vereinen eine Säule des HipHop mit klassischer Aco MC_Fotocopyright_clipskillsMusik. Ein Experiment, das mich sehr neugierig macht. Nicht zuletzt, weil ich mit dem Stadttheater als eine der Bielefelder Institutionen viele positive Erinnerungen verbinde. Angefangen in der Kindheit bei dem Besuch des Weihnachtsmärchens, über Theaterbesuche während der Jugend oder den Blick hinter die Kulissen im Rahmen des Germanistikstudiums. Jetzt ist es soweit, dass ich selbst auf dieser Bühne stehen darf – als Rapperin! Nicht, dass das sowieso selten wäre – eine RapperIn. Es kommt auch noch die Kombination mit Opernmusik hinzu! Wow. Vielleicht obendrein noch ein wenig Breakdance? Ach ja, gibt es ja tatsächlich auch! Das Stadttheater hat an alles gedacht.

Um ehrlich zu sein, war ich noch nie in einer Oper. Meine Assoziationen zu diesem Begriff beschränken sich auf die Opernbesuche von Sherlock Holmes und Dr. Watson in Doyles Romanen. Und mein Wissen über Opern beginnt bei der Zauberflöte und endet in deren letzter Szene (So ungern ich das an dieser Stelle zugebe). Aber auch aus diesem Grund bin so neugierig auf die Zusammenarbeit. Ich freue mich darauf, Neues zu lernen. Neues über Opern, Neues über die Arbeit im Stadttheater, Neues über mich selbst. Rap mit Oper zu verbinden, wird mich fordern, aber auch voranbringen. Als Hobby-Musikerin freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit professionellen Musikern.

Das Stück, das ich aus meinem Repertoire präsentieren werde, heißt »Gedankenwelt«. Es ist ein sehr persönliches Stück. In dem Track thematisiere ich meinen Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Also bloß keinen Texthänger kriegen! Der Auftritt muss laufen! Insbesondere auch, weil ich endlich Gelegenheit habe, Mitglieder der Familie zu einem meiner Auftritte einzuladen. Das Stadttheater ist eine Adresse, die ich meiner Oma gerne zumute (im Vergleich zu den HipHop-Locations, in denen die Szenenanhänger für gewöhnlich abhängen … was ich prinzipiell sehr genieße!). Und falls Oma die Rapanteile nicht zusagen, ist immer noch die Klassik da, die es rausreißt. Dieser Gedanke steht eigentlich exemplarisch für den Brückenschlag, der durch das Projekt vollzogen wird. Es geht nicht nur um Musikrichtungen, die integriert werden. Es geht ebenso um die Menschen und Ideen dahinter, die zusammenkommen. Alle unter einem Dach. Am 29.10.2016. Hoffentlich ein Weg, der Vorurteile gegenüber »den anderen« abbaut und durch seine Mischung eine Bereicherung erzeugt. Also: Auschecken, Leute!

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